Schwergewicht der Comicliteratur veröffentlicht den dritten Band seiner Serie: Blast.

Sein Name sagt den Deutschen gar nichts. In Frankreich, stellt man Manu Larcenet nicht mehr vor. Mit 42 Jahren gilt er als einer der mehr begabten Comicautoren der 2000er Jahren. Mit seiner graphischen Autobiographie Der alltägliche Kampf (auf Französisch: Le Combat ordinaire) hat er die Geschichte des Genres geprägt. 2010 hatte er insgesamt schon 1 790 000 Comics verkauft. Heute kommt der dritte und vorletzte Band einer 2009 angefangenen Serie heraus, die sich als nicht weniger erfolgreich erwiesen hat: Blast.

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Dick, obdachlos, zwanghaft, und amoralisch. Die Hauptperson, Polza Mancini, hat jedoch nach außen hin kaum Trümpfe in der Hand, um die Leser anzuziehen. Ganz im Gegenteil eigentlich. Polza ist anders. Damals war er ein bekannter Kochkunstkritiker. Aber in diesem dritten Band wie in den zwei Vorhergehenden wird er im Polizeiamt als Hauptangeklagter verhört. Und seitdem spricht er stundenlang vor den zwei Kommissaren, die ihn seit Monaten gejagt haben. Er erzählt, wie er seit dem Tod seines Vaters seine 150 Kilo Körpermaße durch die Landschaft zieht. Ein langer gewollter Verfall. Eine langsame Jagd nach Freiheit, beziehungsweise nach dem „Blast“, diesem Augenblick, da Polza beflügelt „eine unbegrenzte und moralfreie Welt bewohnen kann“. Ein Flug trotz dem Gewicht seines Körpers. Eine unmögliche und zerstörende Reise aus der Masse. Alkohol, Drogen, Schmerzen führen ihn von Wälder bis zur psychiatrischen Klinik, von geplünderten Häusern bis zum Elendsviertel. Und endlich in diesem dritten Band bis zu Caroles Haus. Eine junge Frau, die laut den zwei Polizisten von Polza getötet wurde. Und immer noch tauchen Vorstellungen der Moai, die monumentalen Steinskulpturen der Osterinsel, wie ein Spiegel des mystischen Charakters Polzas Lebens und ferner unserer Existenz, auf.

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In dieser Serie hat Manu Larcenet versucht, die Schwärze, die seit seiner Kindheit erfährt hat, ganz auszudrücken. Für Depression anfällig hat er allein, seit er zehn Jahre alt ist, seine Angstkrise dank Zeichnen kurieren müssen. „Als Jugendlicher verletzt mich selbst, um meine Schmerzen zu vergessen. Selbstmord war eine sich wiederholende Möglichkeit. Nur spät habe ich Analyse und Pille entdeckt und dadurch meine Krise kontrollieren können.
im Zeichen  aber sehr spät“.

Niederdrückend ist Blast aber nicht. Einfach weit blickend und manchmal erstaunlicherweise berauschend. Schönheitskanon, sterilisierte Routine, begrenzte Vorstellungsfähigkeit… Alles was normalerweise als zivilisiert betrachtet wird, wird in diesem Buch in Frage gestellt. Manu Larcenet gelingt es ergreifend, diese völlige Erfahrung der Übertretung aller Gesetze mitzuteilen. Das majestätische Schwarz-Weiß der Zeichnung, die nur von den kindlichen bunten Ausdrücken des Blasts gebrochen wird, erlaubt uns, an Polzas Abenteuer teilzunehmen. Angenehm ist es nicht immer, aber auf jeden Fall faszinierend.

Manu Larcenet, Blast 3, La tête la première, Dargaud Verlag, 5.11.2012, 204 S., 22,90 €.

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